Warum ich meine eigenen Tools baue — und nicht das hundertste SaaS abonniere
Als Selbstständiger zahlt man sich an Tool-Abos dumm und dämlich. Ich erkläre, warum ich stattdessen meine eigenen Werkzeuge baue — und wann das wirklich Sinn ergibt.
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Ich habe nachgezählt. Bevor ich meine eigenen Werkzeuge gebaut habe, hatte ich monatlich 17 Tool-Abos laufen. Erst modular erweitert und dann das komplette Ökosystem mit allen 42 Apps gebucht. Ich habe es in Kauf genommen, dass ich nur 17 davon nutze. Buchhaltung, CRM, Projektmanagement, Zeiterfassung, Mail-Marketing, Booking, Cloud-Speicher, Passwort-Manager, Designtools — die übliche Liste.
Summe: 284 € im Monat. Im Jahr 3.408 €. Für Software, die mir helfen sollte, meinen Betrieb ordentlich zu führen.
Das ist mehr, als ich damals für meine Werkzeuge im Auto liegen hatte. Gut, wir waren ja auch noch am Anfang.
Das eigentliche Problem ist nicht der Preis
Wäre der Preis das Problem gewesen, hätte ich einfach kündigen müssen. Aber das ging nicht. Mein Kalender hing in Tool A, meine Kunden in Tool B, meine Rechnungen in Tool C. Die Tools waren so verzahnt, dass ein Wechsel ein Wochenende Migration bedeutet hätte — Wochenenden, die ich nicht hatte. Damals hatte ich die Möglichkeiten nicht, die ich heute habe. Ich hatte einen ziemlich günstigen Entwickler gefunden, der mir alle meine Systeme verbunden und teilweise individualisiert hatte. Seine sporadischen Entwicklungskosten summierten sich und so überstieg sein Betrag deutlich meine laufenden Abo-Kosten.
Das ist die unsichtbare “Nutzungs-Steuer” auf SaaS: Lock-In durch Datenformate, die du nicht kontrollierst.
Wann „selbst bauen” Sinn ergibt
Ich bin nicht generell gegen SaaS. Stripe, beziehungsweise in meinem Fall Mollie, baue ich nicht nach. Supabase nutze ich gar nicht mehr, weil ich als 100%iger No-Coder gar keine UI-Interfaces mehr brauche, sondern Claude Code 24/7 wie einen Esel buckeln lassen — das würde ihn ohnehin nur aufhalten und Ressourcen fressen. Was ich aber selbst baue:
- Workflows, die meine sind. Mein Kunden-Onboarding ist nicht euer Kunden-Onboarding. Ein generisches CRM zwingt mich, mich an seine Vorstellung anzupassen. Wie ich immer so schön sage: nicht die Software sollte dich erziehen, sondern du erziehst die Software.
- Schnittstellen zwischen Tools. Wenn ich drei SaaS koppeln muss, baue ich oft schneller einen kleinen Konnektor als die offiziellen Integrationen zu bezahlen und zu pflegen.
- Dinge, die einmal funktionieren müssen, dann nie wieder. Ein Konfigurator. Ein Onboarding-Wizard. Ein Buchungssystem für genau einen Anwendungsfall. So etwas baut man in 4 Stunden — und zahlt nie wieder dafür.
Die ehrliche Gegenrechnung
Eigene Tools kosten Zeit. Meine waren in den ersten 6 Monaten:
- ~120 Stunden Bauzeit für die ersten drei Werkzeuge
- ~10 Stunden im Monat für Wartung
- 0 € laufende Kosten außer Server (~30 €/Monat)
Bei meinem Stundensatz wäre das auf dem Papier teurer als die SaaS-Abos. Aber hier reden wir von einem einmaligen Anschaffungspreis, gegenüber einem monatlichen Abo, der sich teilweise bereits nach einem Jahr rentiert — oft sogar noch kürzer, je nach Umfang. Und da ich die Systeme so entwickle, wie es meiner Nase passt, weiß ich genau, wie sie funktionieren werden. Ich muss mich nicht dem System unterordnen, sondern das System ordnet sich mir unter.
Wenn KI dazukommt, kippt die Rechnung
Das war 2022. Damals war „selbst bauen” eine 80-Stunden-Investition. Heute mit Claude Code an meiner Seite ist es für vergleichbare Werkzeuge eher eine 2-Stunden-Sitzung. Die Schwelle, ab der „selbst bauen” lohnt, ist dramatisch gesunken.
Was früher hieß „dafür kaufe ich lieber ein SaaS” heißt heute oft „das schreibe ich heute Abend selbst.” Du wirst beobachten, wie drastisch sich der Software-Markt verändern wird. Bereits heute bleibt es den Platzhirschen nicht aus KI-Start-ups aufzukaufen, weil sie Angst davor haben, von ihnen überholt zu werden. Das ist keine Vision, das ist Status Quo.
Was ich nicht selbst baue
Damit das nicht missverständlich klingt — meine Liste der Dinge, die ich niemals selbst baue:
- Zahlungsabwicklung (Mollie / Stripe)
- Mail-Versand (Brevo)
- Datenbank-Hosting (PostreSQL ohne Supabase)
- DNS, SSL, CDN-Layer (Traefik, Caddy, Let’s Encrypt)
- Auth-Cores (Supabase Auth, OAuth)
Alles, wo Sicherheit, Compliance oder Skalierung in der Lieferkette stecken — das baut man nicht selbst. Da kauft man die Bausteine und steckt sie nach den eigenen Bedürfnissen zusammen.
Was ich dir mitgebe
Wenn du als Selbstständige:r das nächste Mal über ein neues Tool-Abo nachdenkst, frage dich:
- Brauche ich das Tool oder den Workflow, den es ermöglicht? Workflows kannst du oft schneller selbst zusammensetzen.
- Wie sieht mein Stack in 12 Monaten aus, wenn ich das jetzt abonniere? Tools, die du heute hinzufügst, bekommst du selten wieder los.
- Habe ich die Daten unter Kontrolle? Wenn der Anbieter morgen pleite geht — sind meine Kunden weg?
Ich werde an anderer Stelle konkrete Beispiele zeigen — wie ich meinen Konfigurator gebaut habe, was meinen Customer-Portal eine Woche statt drei Monate gekostet hat, warum mein Buchungssystem nicht Calendly heißt.
Bis dahin: zähle deine Abos. Du wirst dich erschrecken.
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